Zur sofortigen Veröffentlichung
20. Juni 2012
(English, Russian)
Gedenken an 15-minütige Entlarvung der NS-Tyrannei vor 75 Jahren
SELTERS, Deutschland — Heute vor 75 Jahren haben Jehovas Zeugen im ganzen Deutschen Reich einen „Offenen Brief“ mit schockierenden Details über die Gräueltaten des Hitlerregimes verteilt. In nur 15 Minuten, von 12.00 bis 12.15 Uhr, verbreiteten sie deutschlandweit Zehntausende von Flugblättern. Darin wurden nicht nur konkrete Orte genannt, wo Verhaftung, Folter und Mord an Zeugen Jehovas zur Routine gehörten, sondern auch genaue Daten der Verbrechen. Die Gestapo war entsetzt – nicht nur darüber, derart entlarvt zu werden, sondern auch darüber, dass diese reichsweite Aktion Jehovas Zeugen überhaupt gelungen war.
Dass Jehovas Zeugen biblischen Leitlinien folgten und sich weigerten, Hitler das „Heil“ zuzuschreiben, intensivierte die Verfolgung durch die NS-Regierung. Die Historikerin Professor Christine King stellte fest, dass die Nationalsozialisten die Haltung von Jehovas Zeugen im Verhältnis zur NS-Bewegung als „rivalisierende Ideologie“ und „rivalisierendes Loyalitätszentrum“ wahrnahmen. Das führte zu einer Kampagne der Falschinformation durch die Nationalsozialisten und zu weiterer Verfolgung.
In ihrem Buch The Nazi State and the New Religions: Five Case Studies in Non-Conformity stellt Professor King fest: „Nur gegen die Zeugen war die Regierung machtlos, denn obwohl sie Tausende getötet hatte, ging das Werk [von Jehovas Zeugen] weiter, und im Mai 1945 war die Bewegung der Zeugen Jehovas im Unterschied zum Nationalsozialismus immer noch da.“ Von den fast 8 800 deutschen Zeugen Jehovas, die in Haft kamen, verschleppte man 2 800 ins Konzentrationslager. Insgesamt rund 1 500 Zeugen Jehovas ließen während der NS-Tyrannei ihr Leben (darunter 950 Deutsche), davon insgesamt 370 durch Hinrichtung. Im Jahr 1933, als die dunklen Wolken des Nationalsozialismus am Horizont aufstiegen, gab es in Deutschland rund 20 000 Zeugen Jehovas, heute sind es über 165 000.
Medienkontakt:
J. R. Brown, Office of Public Information, Tel. +1 718 560 5600
Deutschland: Wolfram Slupina, Tel. +49 6483 41 3110
